Unser Konzept

1.Das Kinderhaus
Das Montessori-Kinderhaus liegt mitten im Zentrum von Remscheid. Das Haus befindet sich in einer Parkanlage, deshalb ist es trotz der zentralen Lage ruhig und beschaulich. Unser Kinderhaus ist seit Sommer 1996 eine Kindertagesstätte, vorher wurde es als privates Wohnhaus genutzt. Es steht unter Denkmalschutz, hat also einen ganz besonderen Flair, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen verzaubert. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Haus zum Kinderhaus umgestaltet, in dem sich alle wohl fühlen. Das Außengelände wurde kindgerecht angelegt, mit vielen Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder. Außerdem sind wir anerkannte Hospitationsstätte für die Teilnehmer des Montessori-Diploms.

1.1 Gründungsgeschichte
Die Idee die Montessori Pädagogik in Remscheid zu etablieren, gab es schon lange. Frau Oberbörsch hat in den neunziger Jahren eine Eltern - Kind Gruppe mit Montessori Pädagogik angeboten. Das hat allen Beteiligten aber nicht gereicht und nach einigen Recherchen und Gesprächen war klar: „ Ein Kinderhaus muss her“. Die Kindergarten- Initiative Remscheid e.V. gab es schon und so war der erste Grundstein gelegt. (mittlerweile heißt der Verein Elterninitiative Montessori-Kinderhaus Hofstraße e.V.) Frau Oberbörsch und Frau Mühlhausen haben dann dieses schöne Haus entdeckt und konnten sich hier gut ein Kinderhaus, welches auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt ist, vorstellen. Am 01.08.1996 war es dann soweit. Das Kinderhaus war für Eltern und Kinder geöffnet. Damals wurden 25 Kindergartenkinder im Kinderhaus betreut, in der Zwischenzeit sind es 20 Tagesstättenkinder von 2 Jahren bis zum Schuleintritt.

1.2 Trägerstruktur
Das Montessori-Kinderhaus ist eine Elterninitiative. Der Verein ist die Elterninitiative Montessori-Kinderhaus Hofstraße e.V.. Erziehungsberechtigte sind ab dem Zeitpunkt Mitglied des Vereins, sobald das Kind das Kinderhaus besucht. Die Mitgliedschaft endet automatisch, wenn das Kind in die Schule kommt, oder aus anderen Gründen das Kinderhaus nicht mehr besucht. Die Elterninitiative Montessori-Kinderhaus Hofstraße e.V. wird vertreten durch den Vorstand. Dieser setzt sich ausschließlich aus Eltern, deren Kinder das Kinderhaus besuchen, zusammen. Der Vorstand des Kinderhauses wird alle zwei Jahre bei der Mitgliederversammlung gewählt und besteht aus dem erstem, dem zweitem Vorsitzenden sowie dem Kassenwart. Außerdem ist es noch möglich Beisitzer zu wählen, die eine beratende Funktion ausüben. Der Vorstand vertritt den Verein nach außen, ist für die Finanzen zuständig und führt die Dienstaufsicht über die Angestellten (die Fachaufsicht führt die Leiterin), ist also Arbeitgeber.  Der deutsche paritätische Wohlfahrtsverband, kurz DPWV, dient als Dachverband für diese Elterninitiative.

1.3 Anmeldeverfahren
Eltern, die ihr Kind bei uns anmelden möchten, müssen sich erst einmal bei der Internetplattform „Little Bird“ ( www.little-bird.de/remscheid) registrieren. Dort stellen sich alle Remscheider Einrichtungen (Tagespflege und Kindertagesstätten) vor. Das Kind wird online von den Eltern bei uns angemeldet. Dies wird uns als Portalvormerkung angezeigt. Wir nehmen die Portalvormerkung in unsere Vormerkung auf. Damit ist das Kind bei uns angemeldet. Um sicher zu sein, dass unser Kinderhaus die passende Einrichtung für das Kind ist, muss man sich selbst einen Eindruck verschaffen. In einem Kinderhausjahr gibt es zwei Termine (im Frühjahr und im Herbst) um das Kinderhaus zu besichtigen. Diese können telefonisch erfragt werden, oder sie werden in der Bestätigungsemail von Little Bird, sofern sie schon feststehen, mitgeteilt. Wenn dies alles gemacht wurde und wir die Sorgeberechtigten persönlich kennengelernt haben, können wir das Kind erst in unserer Auswahl berücksichtigen.


1.4 Eingewöhnung
vor der Aufnahme

Der Beginn der Kinderhauszeit ist ein großer Schritt im Leben der Familien. Wichtig ist eine langsame, auf das Kind abgestimmte, individuelle Eingewöhnung. Bevor das Kind offiziell aufgenommen wird, laden wir die Familie mehrmals vorher ein. Ziel dabei ist es, das sich Kinder und Eltern mit dem Haus und dem pädagogischen Personal vertraut machen. Aus Erfahrung wird dann die Eingewöhnung für alle Beteiligten, besonders aber für das Kind, einfacher verlaufen. Die Termine werden mit den Familien abgestimmt.



nach der Aufnahme
Jedes Kind hat andere Bedürfnisse und so ist der Einstieg in die Kinderhauszeit sanft und individuell auf das Kind abgestimmt. Je jünger das Kind ist, desto besser muss die Eingewöhnung vorbereitet werden. Die Eingewöhnung orientiert sich primär am Kind und dessen Befindlichkeit, berücksichtigt aber auch die Lebensumstände der Eltern, wie z.B. Arbeitszeiten. Die Struktur der Eingewöhnung übernehmen wir vom „Berliner Eingewöhnungsmodell“ von H.J. Laewen. In diesem Modell bleibt ein Elternteil die ersten drei Tage mit im Kinderhaus, für ein bis zwei Stunden und geht dann mit dem Kind wieder. In diesen Tagen findet kein Trennungsversuch statt. Am vierten Tag kommt es zum Trennungsversuch, maximal für eine halbe Stunde. Wenn das Kind weint und sich nicht beruhigt, wird der Trennungsversuch unterbrochen. Deshalb ist es wichtig, dass die Mutter oder der Vater im Haus, außerhalb der Sichtweite des Kindes, bleiben. Wenn die erste Trennung nicht gelingt, wird in der Woche kein weiterer Trennungsversuch unternommen. Erst in der nächsten Woche wieder. Lässt sich das Kind aber schnell beruhigen und ablenken, bleibt das Kind eine halbe Stunde ohne Eltern, dann wird es von ihnen wieder abgeholt. Am nächsten Tag kann die Zeit verlängert werden. So bleibt das Kind von Tag zu Tag länger, bis es die Erzieherinnen als Bezugsperson akzeptiert. Dieses Modell wird individuell auf jede Familie abgestimmt. Die Eingewöhnungszeit des Kindes wird in einem Eingewöhnungsbogen dokumentiert (s. Bildungsdokumentation) und nach acht Wochen gibt es ein Eingewöhnungsgespräch zwischen dem pädagogischen Personal und den Eltern.



2. Räume

2.1 Räume sind Lebensräume
Die Kinder verbringen viel Zeit im Kinderhaus. Es ist also sehr wichtig, dass sie sich dort wohl fühlen, vielleicht sogar ein wenig heimisch. Das Kinderhaus ist ansprechend und kindgerecht gestaltet. Es ist in erster Linie ein Ort des Lebens für die Kinder und das pädagogische Personal. Das bedeutet auch, dass niemals Stillstand eintritt.


2.2 Räume sind Erfahrungsräume
Das Kinderhaus ist für die Kinder ein ständiges Lern- und Erfahrungsfeld. Die Räume so zu gestalten, dass diese ansprechend sind und die Kinder zum Tun auffordern, ist eine wesentliche Aufgabe des pädagogischen Personals. Jeder Raum bedeutet andere Erfahrungen für die Kinder. Der Gruppenraum im Erdgeschoss ist das Herz des Kinderhauses. Dort sind alle Materialien aus den verschiedenen Bereichen (Sinnes-, Mathematik- und Sprachmaterial, sowie die Übungen des täglichen Lebens und das Material zur kosmischen Erziehung) der Montessori-Pädagogik vertreten. Außer den klassischen Materialien, die Maria Montessori entwickelt hat, sind die weiteren Materialien im Haus auch nach den Prinzipien der Montessori- Pädagogik ausgesucht worden. Im Gruppenraum befindet sich ein großes Mal- und Bastelangebot, das die Kinder zum Ausleben ihrer Kreativität inspiriert. Die Lese- Ecke lädt die Kinder sein, sich gemütlich allein oder mit anderen zusammen ein Buch anzuschauen. Im Gruppenraum  gibt es auch eine Kinderküche. Dort findet morgens das Frühstück statt und die Kinder erleben täglich den Küchenalltag, durch Beobachten und Mitmachen. Der Nebenraum ist als Turnraum für die Kinder nutzbar. Vier Kinder gleichzeitig können dort ihrem Bewegungsdrang nachgehen. Die Küche, der Sanitärraum für die Kinder und die Garderobe befinden sich auch im Erdgeschoss. In der Garderobe hat jedes Kind seinen eigenen Platz, den die Kinder an ihrem Foto erkennen. Das Obergeschoss ist durch eine Treppe zu erreichen. Dort befinden sich, neben dem Büro, dem Sanitärraum für das pädagogische Personal und einer Kindertoilette, der Projektraum und ein Zimmer für den Rollenspielbereich. Maximal vier Kinder können im Rollenspielbereich ihre Phantasie ausleben. Das Außengelände von ca. 800 m² komplettiert unser ganzheitliches Raumkonzept. Auf dem hügeligen Gelände befinden sich eine große Rasenfläche, ein Sandsee mit Nestschaukel, ein Sandkasten, eine Balancierschlange, eine Wackelbrücke, eine Wippe, ein Wackelskatebord, Bäume und Sträucher. Für Wasserspiele steht ein Frischwasserbrunnen zur Verfügung. Ein gepflasterter Rundparcours lädt zum Roller- und Dreiradfahren ein. Im Inneren des Parcours steht ein Kletterhaus mit Rutsche. Extra für die U3 Kinder gibt es ein Spielhaus und eine Elefantenrutsche.

2.3 Die vorbereitete Umgebung
Das Prinzip der vorbereiteten Umgebung ist sowohl für die Theorie als auch für die Praxis der Pädagogik Maria Montessoris entscheidend.
Ohne eine geeignete Umgebung gibt es kein aufbauendes Tun des Kindes, keine Aufforderung und Möglichkeit zur freien Wahl der Arbeit. Die Umgebung ist keine Zusammensetzung von Spiel-und Gebrauchsdingen, sie ist auf die ganzheitliche Aufnahme des Kindes abgestimmt.
Wenn das Kind in einer anregenden und seine Lernbereitschaft fördernden Umgebung auf wächst, kann es sich frei nach eigenem Antrieb entwickeln. Es wird selbst aktiv, wählt sein Arbeitsmaterial und beschäftigt sich damit, solange es seinem inneren Bedürfnis entspricht.
Die Umgebung des Kinderhauses enthält Aufforderung zur Tätigkeit. Das Kind wird freudig angetrieben durch eigenes Interesse seine Entdeckungen zu machen. Deshalb steht ihm alles zur Verfügung. Grenzen werden durch die Bedürfnisse anderer, und durch das Material selbst, gesetzt.
Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufgaben des pädagogischen Personals , die Umgebung für das Kind vorzubereiten. Der Raum muss überschaubar, klar gegliedert  und die Arbeitsmaterialien für das Kind ohne Hilfe erreichbar sein. Durch die Platzierung im Raum, Formgebung und Farbe, Schlichtheit und Überschaubarkeit besitzt die vorbereitete Umgebung einen hohen Aufforderungscharakter.


2.4 Tagesablauf und Wochenablauf im Kinderhaus
Bis 10:00 Uhr können die Kinder gebracht werden. Den Alltag im Kinderhaus gestalten die Kinder selbst, im sogenannten Freispiel. Sie entscheiden mit wem, wie lange und welche Arbeit sie ausüben möchten. Während des Freispiels gibt es verschiedene vorbereitete Angebote, die von den Kindern gewählt werden können. Das Frühstück steht den Kindern bis ca. 10:00 Uhr zur Verfügung. Wenn das Kind frühstücken möchte, muss es bis 9:30 Uhr im Kinderhaus sein. Um 10:00 Uhr findet ein Morgenkreis statt. Wir setzen uns mit den Kindern im Kreis zusammen und sprechen über Verschiedenes, z.B. was die Kinder in dieser Woche bewegt, bzw. beschäftigt. Wir erarbeiten gemeinsam Regeln, singen Lieder und spielen Kreisspiele. Der Kreis dauert ca. eine halbe Stunde, danach gehen die Kinder wieder ins Freispiel oder in ein Projekt. Um 12:00 Uhr gibt es Mittagessen, das alle gemeinsam einnehmen. Nach dem Mittagessen wird besprochen, wie die Kinder ihren Tag weiter gestalten möchten. So geht jeder seiner gewählten Tätigkeit nach. Am Nachmittag gibt es noch einen Snack, in Form von Rohkost oder Obst.
Neben dem täglichen Freispiel gibt es im Wochenablauf verschiedene Aktionen für die Kinder.
So gehen wir einmal in der Woche mit einigen Kindern an einem Nachmittag zum Turnen in eine Turnhalle. „KANELA“ ist ein Projekt für 4 bis 5 jährige Kinder, welches einmal in der Woche stattfindet. In diesem Projekt stehen die verschiedenen Bildungsbereiche im Vordergrund, aber auch Partizipation und die Montessori-Pädagogik fließen dort mit ein. Der Kreis der Ältesten ist ein spezielles Angebot für die Kinder, die vor ihrer Einschulung stehen. Es gibt dort verschiedene Projekte und Aktionen, die mit den Kindern durchgeführt werden, z.B. Polizei, Feuerwehr, Starke Kinder, Hochseilgarten, Kletterwände, Kanu fahren usw.. Die Angebote sind an den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder orientiert. Der Kreis der Ältesten findet einmal in der Woche statt. Zusätzlich findet für die Ältesten einmal in der Woche ein Englisch Angebot statt.

3. Das Montessori-Material
Das didaktische Material wurde von Maria Montessori selbst entwickelt und teilt sich in folgende Bereiche auf.
Übungen des täglichen Lebens:
Durch die Übungen des praktischen Lebens lernt das Kind mit den Dingen, die es in seiner täglichen Umgebung vorfindet, richtig umzugehen. Da gibt es drei verschiedene Gruppen:
Die Pflege der eigenen Person, z.B. Haare kämmen, Hände waschen, Schleife binden usw.
Übungen zur Pflege der Umgebung z.B. Blumenpflege, Möbel reinigen, Spiegel putzen     usw.
Übungen zur Pflege sozialer Kontakte, z.B. Türe öffnen, Platz anbieten, zum Geburtstag gratulieren usw.
Sinnesmaterial
Die sinnliche Wahrnehmung ist unverzichtbare Voraussetzung für die begriffliche Wahrnehmung. Mit Hilfe der Sinnesmaterialien werden die Beobachtung, das Zuordnungs- und das Unterscheidungsvermögen und die Wahrnehmung geübt bzw. geschult. Das Kind gelangt dadurch vom konkreten Schauen zum abstrakten Denken. Gerade die Isolation der Sinne, z.B. die taktile Wahrnehmung mit geschlossenen Augen, erhöht sich die Konzentration und es kommt zu einer Intensivierung der Wahrnehmung.
Das Sprachmaterial
Alle Materialien fördern die Fähigkeit und Bereitschaft zum aufmerksamen Hören und Zuhören, Erkennen und Differenzieren. Erfahrungen aus der nahen und weiten Umgebung werden sprachlich mitgeteilt. Eine sprachliche Entwicklung des Kindes gehört zum Schreiben- und Lesen lernen.
Das mathematische Material
Das mathematische Material macht das Kind mit Zahlen und Zählen vertraut. Der Sinn für Logik wird geweckt, das Kind begreift Begriffe wie Reihenfolge und Ordnung.
Kosmische Erziehung
Kosmische Erziehung gibt dem Kind Orientierung im Leben. Diese Erziehung will das heranwachsende Kind auf die Aufgabe vorbereiten, die es im Erwachsenenleben erwartet, damit sich das Kind später in seiner Umgebung zurecht findet und wohl fühlt. Es geht um das Erkennen der engen Beziehung zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt und um die besondere, verantwortungsvolle Stellung des Menschen im Kosmos. Die Fragen der Kinder nach dem Woher und Warum werden mit speziellen Materialien erforscht und kindgerecht beantwortet. Wie bei allen Montessori Materialien wird auch bei dem kosmischen Material auf die Reihenfolge geachtet. Es geht vom großen Ganzen zum kleinen Detail.


4.Ernährung
4.1 vollwertige Ernährung mit wenig Fleisch
Gesunde Ernährung ist für uns ein pädagogischer Auftrag. Es ist unser Anliegen, den Kindern von Anfang an zu zeigen wie wir uns gesund und wohlschmeckend ernähren können. Deshalb ernähren wir uns im Kinderhaus vollwertig mit wenig Fleisch. Ansonsten entscheiden die Familien zu Hause, welches und wie viel Fleisch ihre Kinder bekommen.
In der Vollwerternährung spielt Fleisch nur eine Nebenrolle. Das lebensnotwendige Eiweiß, welches die Kinder brauchen, ist in vielen Pflanzenprodukten ausreichend enthalten. Neben der Ernährung mit wenig Fleisch ist uns eine zuckerarme Ernährung sehr wichtig. Es gibt im Kinderhaus keine Süßigkeiten. Die Ausnahme bildet Eis, welches zum Geburtstagsessen dazu gehört. Den Zucker, den Körperzellen und Gehirn zur Energiegewinnung und für die Abläufe im Stoffwechsel benötigen, produziert der Körper selbst, indem er Kohlenhydrate, die als Stärke in Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und als Fruchtzucker enthalten sind, abbaut. Die Verdauung dieser Lebensmittel erfolgt langsam, so dass der Zucker nach und nach an das Blut abgegeben wird. Reiner Zucker, wie er in Süßigkeiten, süßen Speisen, Getränken etc. vorkommt, wird schnell verdaut und gelangt überfallartig ins Blut. Um den Zucker schnell aus dem Blut in die Körperzelle zu transportieren, setzt der Körper große Mengen des Hormons Insulin frei. Der Zuckerspiegel fällt rapide ab, die Reaktion ist Heißhunger auf süß. Wird wieder Süßes gegessen, kommt es zur erneuten Insulinausschüttung und der Teufelskreis beginnt von neuem. Lebensmittel, die Zucker enthalten, sind sehr kalorienreich, haben aber keine verwertbaren Nährstoffe für den Körper, denn in Zucker sind keinerlei Nährstoffe enthalten.

4.2 Frühstück
Das Frühstück wird jeden Morgen von den Erzieherinnen zusammen mit den Kindern vorbereitet. Das gesunde Frühstück setzt sich z.B. so zusammen: verschiedene Brotsorten, Butter, Marmelade, Honig, Käse, Joghurt, Müsli, Milch und gekochte Eier. Als Getränke stehen Wasser und Milch bereit.
Nach dem Frühstück spült jedes Kind sein benutztes Geschirr und bereitet so den Platz für das nächste Kind vor.

4.3 Mittagessen
Das Mittagessen wird nach unserem Ernährungskonzept frisch zubereitet. Wenig Fleisch und Fisch, viel Obst und Gemüse und Vollkornprodukte. Zu jedem Mittagessen wird Rohkost oder Salat gereicht. Dreimal in der Woche gibt es Nachtisch. Nachmittags wird den Kindern, in Form von Obst oder Rohkost, noch ein kleiner Snack gereicht.

5.Pädagogisches Leitbild
Wir folgen in unserem Kinderhaus den Grundsätzen Maria Montessoris. Diese Frau, eigentlich Ärztin, lebte von 1870 bis 1952. Während ihrer Zeit als Ärztin machte sie viele Erfahrungen mit behinderten Kindern. Ihr Interesse an Pädagogik war geweckt. Sie entwickelte didaktisches Material, das sogenannte Montessori-Material, welches sie zunächst nur für geistig zurückgebliebene Kinder einsetzte. Nachdem Montessori erlebt hatte, was für Erfolge sich bei diesen Kindern zeigten, entwickelte sie ihre Methoden auch für gesunde Kinder. 1907 eröffnete sie ihr erstes Kinderhaus in Rom. Ihre Pädagogik nah am Kind zeigte, wie viel Kinder leisten können, wenn man ihnen Möglichkeiten aufzeigt und Vertrauen schenkt. Im Laufe der Jahre entwickelte Montessori ihre Pädagogik immer weiter und verbreitete diese erfolgreich in vielen Ländern.

5.1 Unser Bild vom Kind
„Das Kind ist nicht ein leeres Gefäß, das wir mit unserem Wissen angefüllt haben und das uns alles verdankt. Nein, das Kind ist der Baumeister der Menschheit.“ (Maria Montessori 1952)

In der Montessori-Pädagogik verstehen wir das Kind als konkretes, menschliches Lebewesen im beobachtbaren Vollzug seiner individuellen Existenz. Wir sehen Kind und Erwachsenen als verschiedene Lebensformen, „die gleichzeitig da sind und aufeinander Einfluss haben.“ Das Kind geht aus sich heraus, seinem existentiellen und vitalen Wunsch folgend, auf die Welt zu. In Auseinandersetzung und Wechselwirkung mit seiner Umgebung baut es in dieser Weise seine Persönlichkeit, sein Selbst auf. Der Mensch und somit das Kind ist mit einer unveräußerlichen Würde ausgestattet, die unantastbar bleiben muss. Diese Menschenwürde will und muss gelebt werden. Weil jeder Mensch einzigartig ist, gibt es für diesen auch nur (s)einen Weg, sinnvoll zu leben, ein Individuum zu sein, die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Sinn der Kindheit ist es daher, eine autonome und individuelle Persönlichkeit aufzubauen, die mit Freiheit verantwortlich umgehen kann.


5.2 Die für uns wichtigsten Grundsätze der Montessori-Pädagogik

Das Kind sagt: „Hilf mir, es selbst zu tun und gib mir die Zeit dazu.“
Kinder beobachten von klein auf das Tun der Erwachsenen und wollen oft „helfen“ z.B. bei der Hausarbeit. Kinder wollen selbstständig sein und alles selber ausprobieren, auch wenn sie oft noch „zu klein“ dazu erscheinen. Im Kinderhaus haben die Kinder die Möglichkeit, vieles selbstständig auszuprobieren, z.B. Gemüse selbst schneiden oder bei der Hausarbeit helfen.
Die Aufgabe der Erzieher besteht darin, das Tun des Kindes aufmerksam zu beobachten und nur dann Hilfe zu geben, wenn das Kind sie wirklich braucht. Hilfe verstehen wir immer als Hilfe zur Selbsthilfe, das bedeutet: die Tätigkeit wird nicht für das Kind erledigt, der Erzieher gibt lediglich Hinweise und Hilfestellungen, wenn das Kind nicht weiterkommt. Das Ziel aller Erziehungsbemühungen ist für Montessori- also auch für uns- die aktive Förderung kindlicher Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit durch Selbsttätigkeit.

Der Raum und die Tätigkeit sind für das Kind geschützt
Wir nehmen das Spiel und die Arbeit der Kinder sehr ernst und ermöglichen ihnen, sich möglichst störungsfrei zu konzentrieren. Das bedeutet, dass ein Kind, das sich gerade mit einem Material beschäftigt, nicht beispielsweise durch Ansprechen abgelenkt werden darf. Arbeitet das Kind auf einem Teppich am Boden, darf niemand darüber gehen. Kinder, die sich mit dem gleichen Gegenstand beschäftigen wollen, müssen warten, bis das erste Kind seine Tätigkeit beendet hat. So wie wir die Beschäftigung des Kindes respektieren, lernen die Kinder dies auch untereinander. Neben der Konzentrationsfähigkeit wird also durch diesen Grundsatz auch das soziale Lernen der Kinder gefördert.

Wir vertrauen auf den inneren Bauplan – Kinder kennen ihren Weg
Die Entwicklung eines Kindes verläuft in verschiedenen Stufen. Es gibt sensible Phasen, in denen die Kinder Interesse an bestimmten Lerninhalten zeigen und sich mit Freude und Leichtigkeit bestimmte Dinge aneignen. Ein Kind lernt z.B. seine Muttersprache quasi „spielend“, weil seine Sinne dafür offen sind. Will ein Erwachsener eine Fremdsprache lernen, ist das oft mit großen Mühen verbunden, weil die sensible Phase für den Spracherwerb vorbei ist.
Für jeden Lernbereich gibt es sensible Phasen, die aber von Kind zu Kind vom Zeitpunkt her unterschiedlich sein können. Hier ist wieder die aufmerksame Beobachtung durch den Erzieher gefragt, der feststellt, woran ein Kind gerade spezielles Interesse hat und ihm dann im Rahmen der vorbereiteten Umgebung entsprechendes Material und Informationen anbietet.
Der innere Bauplan ist im Kind vorhanden- so wie im Apfelkern der ganze Apfelbaum verborgen ist. Erzieher und Eltern müssen wachsam sein und mit liebevoller Aufmerksamkeit beobachten, wann das Kind für den nächsten Entwicklungsschritt bereit ist.

Freiheit beinhaltet auch Regeln und Grenzen
Im Rahmen der Montessori- Pädagogik genießen Kinder große Freiheit: sie bestimmen, womit sie sich beschäftigen, wie lange sie bei welcher Tätigkeit verweilen, ob sie allein oder mit einem oder mehreren Kindern spielen wollen und wo sie sich dabei aufhalten. Diese Freiheit und Selbstbestimmung bedeutet aber nicht, dass die Kinder alles machen dürfen, was sie gerade wollen. Es gibt drei wichtige Grenzen:
dort wo das Kind sich selbst verletzt. Der Erzieher greift ein, wenn das Kind sich in eine für es nicht überschaubare  Gefahr begibt, z.B. dürfen die Kinder nicht ohne Begleitung auf die Straße gehen.
dort , wo das Kind andere verletzt. Der Erzieher greift ein, wenn ein Kind einem anderen- physisch oder psychisch- Schmerzen zufügt und das betroffene Kind sich nicht selbst wehren kann. Die Selbstbestimmung gilt für jedes Kind, d.h. Wenn ein Kind sich einen Spielpartner aussucht und dieser aber nicht mitspielen will, muss dieses „Nein“ akzeptiert werden.
dort, wo das Kind Dinge zerstört. Der Erzieher greift ein, wenn ein Kind Spielmaterialien so zweckentfremdet, dass ihr pädagogischer Sinn nicht mehr erfüllt ist (z.B. die roten Stangen als Schwerter benutzt werden). Die Spiel- und Fördermaterialien werden sehr sorgfältig behandelt, alles wird sauber und ordentlich gehalten. Dadurch lernen die Kinder auch den verantwortungsvollen Umgang mit Gegenständen und darüber hinaus mit der gesamten Umwelt.
6.Bildung im Kinderhaus
In den letzten Jahren wird vermehrt über „Bildung in Kindergärten“ gesprochen. Dieses Thema ist im Montessori Bereich nicht fremd. Montessori geht davon aus, dass Kinder lernen wollen und man ihnen nur die Materialien und Vertrauen zur Verfügung stellen muss.
So zählen aber nicht nur Kompetenzen wie Mathematik, Sprache und andere „Schulfächer“ zur Bildung (Sachkompetenz), sondern vor allen Dingen auch Persönlichkeitskompetenz. Dies kann nur erreicht werden, wenn wir den Kindern Möglichkeiten bieten, sich zu entfalten und ihren Dingen nach zu gehen. In unserem Kinderhaus haben die Kinder viel Zeit und viele Möglichkeiten sich ganzheitlich zu entfalten.
Eine wichtige Grundlage für die Kinder ihr Leben kompetent und selbst bestimmt zu bewältigen, ist die Bildung. Diese ist Voraussetzung für alle bestimmenden Prozesse im Leben.
Bildungsarbeit findet im Kinderhaus in allen Situationen statt. Die Kinder wollen „sich bilden“  und ständig weiter entwickeln. Wir geben den Kindern, durch die vorbereitete Umgebung, das Material und unser Vertrauen, das nötige Handwerkszeug dazu.
Die Bildungsbereiche sind in zehn Kategorien eingeteilt. An den Beispielen im folgenden Abschnitt wird deutlich, dass wir zu jedem Bildungsbereich Materialien bereitstellen und Projekte mit den Kindern durchführen.

1. Bewegung:
angeleitete Turnangebote in einer Turnhalle
Außengelände
Turnraum
Ausflüge
Freispiel nach Montessori

2. Körper, Gesundheit und Ernährung
Gesundes Ernährungskonzept
frisch gekochtes Essen
Projektgruppe „Kochen“
Materialien (Bücher, Spiele, Puzzle) Kochangebote
Rollenspielbereich
Materialien zur Identifikation Junge/Mädchen

3. Sprache und Kommunikation
Montessori Sprachmaterial,
Erzieher als Vorbild
Bücher
CDs
Kreis mit Spielen, Liedern, Gesprächen, Portfolio

4. Soziale, kulturelle und interkulturelle Bildung
Vorbild des Erziehers
Regeln in der Gruppe
Montessori Material kosmische Erziehung
Wertschätzung der Arbeit von den anderen Kindern

5. Musisch-ästhetische Bildung
Montessori-Material
vorbereitete Umgebung
Rollenspielbereich
Spiel und Singkreis
Kreativ Bereich

6. Religion und Ethik
Montessori-Material kosmische Erziehung Bücher
Kinder mit verschiedenen Religionen und Kulturen
Feste feiern
Brauchtum besprechen

7. Mathematische Bildungsarbeit
Montessori Mathematik Material Montessori Sinnesmaterial
Zählen im Alltag
Einkaufen/Geld,
vorbereitete Umgebung

8. Naturwissenschaftlich-technische Bildung
Montessori-Material kosmische Erziehung Übungen des täglichen Lebens
Garten
Besuche z.B. Naturschule Grund
Kaninchen
Experimente
Aquarium

9. Ökologische Bildung
Montessori-Material kosmische Erziehung
Experimente
Mülltrennung
Sparsamkeit Energie und Wasser

10. Medien
Bücher
CD Player+ CDs
Fotoapparat
Fotos
Portfolio




6.1.Bildungsdokumentation
Die Bildungsdokumentation ist Bestandteil der seit dem 01.08.2003 + dem Nachfolgemodell von 2009 in NRW gültigen Bildungsvereinbarung. Für jedes Kind, das unser Kinderhaus besucht, wird eine Bildungsdokumentation erstellt. Voraussetzung ist, dass die Eltern dies wünschen und ihr schriftliches Einverständnis geben. Die Bildungsdokumentation ist Eigentum des Kindes und darf nur mit Einverständnis der Eltern an Dritte weitergegeben werden.
Die eigenständige Bildungsarbeit in unserem Kinderhaus steht in Kontinuität zum Bildungsprozess jedes Kindes, welcher bei der Geburt beginnt. Es geht dabei nicht vorrangig um die Vermittlung von Wissen, sondern das Kind in seinem vielfältigen, individuellen Lernprozess zu begleiten. Wir orientieren uns dabei immer am Wohl des Kindes und fördern seine Persönlichkeitsentwicklung in kindgerechter Weise. Die differenzierten Beobachtungen durch den Erzieher geben Aufschluss über den Bildungsprozess jedes Kindes, wir orientieren uns dabei in erster Linie an den Interessen und Stärken des Kindes. Die Bildungsdokumentation kommt nicht nur den Kindern zugute. Sie gibt den Erziehern eine gute Arbeitshilfe um die Eltern über den Bildungsstand ihres Kindes regelmäßig zu informieren. Grundlage für die zielgerichtete Bildungsarbeit in unserem Kinderhaus ist die genaue Beobachtung jedes Kindes.

6.2 Standardisierte Entwicklungsdokumentation
In den ersten acht Wochen, die das Kind unser Kinderhaus besucht, füllen wir einen Beobachtungsbogen zur Eingewöhnung aus. In diesem Bogen dokumentieren wir, wie sich das Kind im Kinderhaus ein lebt. Dies dient dann als Grundlage zum ersten Elterngespräch, welches nach ungefähr acht bis zehn Wochen stattfindet.

6.3 Entwicklungsbericht
Einmal im Jahr füllen wir einen selbst erstellten Entwicklungsbogen für jedes Kind aus. Dabei fließen die Beobachtungen, die im Laufe des Jahres gemacht wurden, mit ein. Dieser Bericht ist Grundlage des Entwicklungsgespräches welches einmal jährlich stattfindet.

6.4 Portfolio
Der Begriff Portfolio (lat. portare „tragen“ und folium „Blatt“), bezeichnet eine Sammlung von Objekten eines bestimmten Typs. Er wird in ganz unterschiedlichen Bedeutungsbereichen verwendet. Im Bildungsbereich steht Portfolio für eine Mappe, in der Blätter zusammengetragen und aufbewahrt werden können.
Jedes Kind bekommt für jedes Kinderhausjahr einen Portfolio Ordner. Da drin werden Arbeitsblätter gesammelt um die Entwicklung des Kindes sichtbar zu machen und zu dokumentieren. So malt das Kind z.B. jedes Jahr seine Familie. An diesen Bildern wird dann die Weiterentwicklung sichtbar. Projekte an denen die Kinder teilgenommen haben, werden dort ebenso eingeheftet. Ein wesentlicher Bestandteil des Portfolio Ordners, neben den Projekten, sind auch die Fotos, die wir von den Kindern machen. So wird dieser individuelle Ordner des Kindes nicht nur zur Entwicklungsdokumentation, sondern auch zu einer sehr schönen und wertvollen Erinnerung an die Kinderhauszeit. Der Portfolio Ordner ist Eigentum des Kindes und wird nach Abschluss der Kinderhauszeit vom Kind mitgenommen.

7.Team
Unser pädagogisches Team besteht aus drei Mitarbeitern und einer Praktikantin, die sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung (Anerkennungspraktikum) befindet.

Leitung
Fachkraft (stellvertretende Leitung)
Fachkraft
Anerkennungspraktikantin

7.1 Beschreibung der Personalsituation
Die Leitung des Kinderhauses ist gleichzeitig auch die Gruppenleitung. Sie ist Erzieherin und arbeitet in Vollzeit, das heißt 39 Stunden pro Woche. Die Stunden teilen sich laut KiBiz (Kinderbildungsgesetz) wie folgt auf: 30 Stunden pädagogische Arbeit, neun Stunden Büroarbeit.
Die eine Fachkraft ist Erzieherin und arbeitet in Teilzeit. Neben ihrem pädagogischen Auftrag ist sie gleichzeitig auch die stellvertretende Leitung. 

Die andere Fachkraft ist Erzieher und arbeitet in Vollzeit.
Außer dem pädagogischen Personal gibt es noch eine Reinigungskraft und eine Köchin im Kinderhaus. Die Reinigungskraft reinigt das Kinderhaus täglich nach der Öffnungszeit. Die Köchin bereitet jeden Tag das Mittagessen frisch, auf Basis unserer Vollwerternährung, zu.

7.2 Qualifikation der pädagogischen Mitarbeiter im Hinblick auf die Montessori-Pädagogik
Die pädagogischen Mitarbeiter sind Erzieher/innen mit Montessori-Diplom. Wenn das Diplom bei einer Neueinstellung nicht vorhanden ist, verpflichtet sich der Mitarbeiter es bei nächster Gelegenheit zu erwerben. Andere Bewerber können nicht berücksichtigt werden. Ausnahme bildet hier die Anerkennungspraktikantin. Sie braucht das Montessori-Diplom für eine Einstellung nicht. In der Regel erhält sie im Laufe des Berufspraktikums erst einen intensiven Einblick in diese besondere Pädagogik. Erst dann kann sie entscheiden, ob sie sich in diesem Bereich weiterbilden möchte.

7.3 Die Rolle der Erzieherin in der Montessori-Pädagogik
Die Rolle des Erziehers stellt sich bei uns im Kinderhaus anders dar als in herkömmlichen Kindergärten. Der Erzieher ist kein Mutterersatz, er begegnet dem Kind mit höchstem Maß an Respekt, Höflichkeit und Herzlichkeit.  Wir verstehen uns als Helfer zur Entwicklung selbstständiger Persönlichkeiten. Ausserdem ist er ein Vermittler zwischen Kind und Material. Sobald das Kind selbstständig mit dem Material umgehen kann, zieht sich der Erzieher zurück und beobachtet während das Kind selber seine Entdeckungen und Erfahrungen macht. Der Erzieher in der Montessori-Pädagogik ist eine helfende Hand, drängt sich aber niemals auf, sondern kommt nur, wenn er gebraucht wird.
Maria Montessori beschreibt die Rolle des Erziehers folgendermaßen:
„ Die Vorbereitung der Umgebung und des Lehrers (Erziehers) sind das (…) Fundament unserer Erziehung. Immer muss die Haltung des Lehrers (Erziehers) die der Liebe bleiben. Dem Kind gehört der erste Platz, und der Lehrer (Erzieher) folgt ihm und unterstützt es. Er muss auf seine eigene Aktivität zugunsten des Kindes verzichten. Er muss dem Kind die Freiheit geben, sich äußern zu können; denn es gibt kein größeres Hindernis für die Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit als einen Erwachsenen, der mit seiner ganzen überlegenen Kraft gegen das Kind steht.“ (Maria Montessori, 1968)
Um dem entsprechen zu können, muss die innere Haltung der Erzieherin stimmen. Sie sieht sich nicht als Macher und Veranstalter, sondern erkennt jedes Kind in seiner Einzigartigkeit, als Akteur seiner selbst. Das setzt die Fähigkeit zur Beobachtung voraus.

7.3 Praktikanten
„Praktikanten sind unsere Kollegen von morgen.“ Dieser Satz zeigt, wie wichtig Praxisanleitung ist. Was die Studierenden in der Theorie lernen, probieren sie in der Praxis aus. Da sind wir wichtig als Vorbild für die Praktikanten. In unserem Kinderhaus werden Praktikanten der Fachschule aus den Berufsbildungsgängen der Kinderpflege, der Erzieher und der Fachoberschule betreut, aber auch Schüler die ein Orientierungspraktikum absolvieren müssen. Die Praktika dauern, von ein paar Tagen bis zu einem Jahr, unterschiedlich lange.

7.4 Montessori-Diplom
Das Montessori-Diplom ist Voraussetzung um in einem Montessori-Kinderhaus tätig zu sein. Dieses erwirbt man in einem Montessori-Lehrgang. Dort werden die Teilnehmer in Theorie und Praxis der Montessori-Pädagogik unterrichtet und befähigt, im Sinne der Montessori-Pädagogik tätig zu sein. Es ist eine umfassende ein bis zweijährige berufsbegleitende Zusatzausbildung, mit theoretisch und praktischer Prüfung. Die Ausbildung endet mit der Verleihung des Montessori-Diploms. Folgende Bestandteile beinhaltet der Montessori-Lehrgang:
Theorie der Montessori-Pädagogik
Sinneserziehung
Übungen des täglichen Lebens
Sprache
Mathematik
Geometrie
Kosmische Erziehung
zusätzlich (ortsgebunden): Musik, Kunst, Heilpädagogik, religiöse Erziehung.

Außerdem müssen die Teilnehmer zu allen Bereichen Projektmappen erstellen und 12 Hospitationen in anerkannten Montessori-Einrichtungen sind Pflichtbestandteil des Lehrgangs.

8. Zusammenarbeit mit den Eltern
In einer Elterninitiative hat die Zusammenarbeit zwischen der Einrichtung und den Eltern einen anderen Stellenwert als in einem Kindergarten mit anderer Trägerschaft. Deshalb ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und dem Kinderhaus unerlässlich. Gegenseitiges Vertrauen bestimmt die Kinderhaus–Familien-Ebene. Denn nur wenn diese Ebene von Vertrauen geprägt ist, kann das Kind unbelastet und unbeschwert seine Zeit im Kinderhaus verbringen.

8.1 Eltern als Arbeitgeber
Diese besondere Form der Trägerschaft setzt eine gute und enge Zusammenarbeit zwischen dem pädagogischen Personal und den Eltern, die stellvertretend in der Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt wurden, voraus. Sie sind nicht nur Eltern, die eine liebevolle Betreuung für ihr Kind möchten, sondern gleichzeitig auch Arbeitgeber mit allen Rechten und Pflichten.

8.2 Elternrat
Beim ersten Elternabend des Kinderhausjahres wird der Elternrat gewählt. Er setzt sich aus zwei Elternteilen zusammen die von den Eltern selbst gewählt werden. Der Elternrat tagt bei Bedarf. Zu den Aufgaben zählen die Organisation und die Durchführung von Festen, Veranstaltungen und anderen Aktionen für Eltern und Kinder. Der Elternrat ist Bindeglied zwischen dem Team und den Eltern. Bei Bedarf tritt er vermittelnd ein, indem er Anfragen, Kritik und Beschwerden weiterleitet und gegebenenfalls bei der Suche von Lösungen hilft.

8.3 Kitarat
Der Kitarat setzt sich aus dem pädagogischen Personal, dem Vorstand und dem Elternrat zusammen. Dieser Rat kann, je nach Bedarf, mehrmals jährlich tagen. Es werden Themen, die alle betreffen, besprochen und die Arbeit der einzelnen Gremien koordiniert.

8.4 Elternmitarbeit
Anders als bei anderen Trägern fallen bei einer Elterninitiative neben den Vereinsbeiträgen auch Elternarbeitsstunden an. Die momentane Stundenzahl, welche die Eltern pro Kinderhausjahr leisten müssen, liegt bei 20 Stunden. Wenn Geschwisterkinder gleichzeitig in der Einrichtung sind, erhöht sich die Stundenzahl auf 25. (Änderungen möglich) Es gibt viele Möglichkeiten diese Stunden abzuleisten, z.B. Mitarbeit im Garten ( Rasen mähen etc. ), Mitarbeit um Haus (kleinere Reparaturen), Mithilfe bei Festen und Veranstaltungen und Mitarbeit im Vorstand oder Elternrat. Wenn die Stunden in einem Kinderhausjahr nicht geleistet werden, müssen diese bezahlt werden. Im Moment kostet eine Stunde 10 Euro (Änderungen möglich.)

8.5 Elternbildung
Eine wichtige Aufgabe der Kindertageseinrichtung ist neben Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder auch die Elternbildung. Die Erziehung eines Kindes ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die leicht dazu führen kann, dass Eltern viele Fragen haben. Hier ist es Aufgabe des Kinderhauses, Informationsveranstaltungen und Elternabende zu verschiedenen Erziehungsthemen anzubieten und auf derartige öffentliche Veranstaltungen anderer Träger in Remscheid hinzuweisen.
Ebenso bieten wir in Einzelgesprächen den Eltern Beratung und Hilfe bei aktuellen pädagogischen Fragen an und stellen ggf. Kontakt zu anderen Institutionen wie z.B. die Erziehungsberatungsstelle her.

8.6 Elterngespräche über den Entwicklungsstand des Kindes
Einmal im Jahr findet ein Entwicklungsgespräch mit den Eltern über ihr Kind statt. Bei diesen Gesprächen tauschen sich die Eltern und die Erzieher über die Sicht des Kindes aus, wo die Stärken liegen und es evtl. noch Hilfe bzw. Unterstützung benötigt. Grundlage dafür ist der jeweils aktuelle Stand der Bildungsdokumentation. Darüber hinaus gibt es bei Bedarf weitere Gespräche und die täglichen „ Tür- und Angelgespräche.“

9. Öffentlichkeitsarbeit
Öffentlichkeitsarbeit ist für das Kinderhaus sehr wichtig. Wir möchten, dass sich die Montessori-Pädagogik auch außerhalb des Kinderhauses verbreitet und dass viele Menschen davon erfahren. So sind wir bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen vertreten und präsentieren dort unser Kinderhaus und die besondere Pädagogik. Auch bei verschiedenen Aktionen wie z.B. Weihnachtsbaum schmücken oder Osterschmuck für das Alleecenter herstellen, beteiligen wir uns. Die Kinder haben sehr viel Spaß dabei und wir sind öffentlich vertreten.

9.1 Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Wir arbeiten mit verschiedenen Behörden und Institutionen zusammen, z.B. mit dem Jugendamt, Landesjugendamt, dem DPWV, dem Gesundheitsamt, der Erziehungsberatungsstelle, verschiedenen Grundschulen, verschiedenen Kindertageseinrichtungen, dem Förderverein Maria Montessori und dem AK „Sicher unterwegs“ zusammen mit der Verkehrspolizei Remscheid.

10. U3 Kinder
Zum Sommer 2013 wurde unsere Gruppe in eine U3 Gruppe umgewandelt. Das bedeutet, dass wir jeden Sommer 4-6 zweijährige Kinder aufnehmen.
10.1 Eingewöhnung:
Vor dem Kinderhausstart:
Es gibt einen Elterninformationsabend um die Eingewöhnung individuell zu besprechen. Außerdem werden Eltern und Kinder, vor dem Kinderhausstart, zum gegenseitigen Kennenlernen an Besuchsnachmittagen eingeladen. An diesen Nachmittagen lernen die Kinder ihre Bezugserzieherin kennen.

Die Eingewöhnungszeit:
Die Erfahrung hat gezeigt, je individueller die Aufnahme erfolgt, umso leichter ist es für Eltern und Kinder. Die Eingewöhnung ist, wie bei den Ü3 Kindern, an das Berliner Eingewöhnungsmodell angelehnt. In den ersten Tagen kommen die Kinder stundenweise. Die Bezugserzieherin ist immer da, auch für die Eltern als Ansprechpartnerin. Je nach Verlauf kann die Zeit individuell verlängert oder verkürzt werden. . Eine Vertrauensperson wird in dieser Zeit ständig verfügbar sein. Nach der Eingewöhnungszeit wird besprochen wie lange das Kind täglich das Kinderhaus besucht. Je älter die Kinder werden, umso länger schaffen sie die Zeit ohne Eltern. Die Eingewöhnungszeit wird dokumentiert und es findet ca. acht Wochen nach dem Kinderhausstart ein Eingewöhnungsgespräch statt.

10.2 Essen und Schlafen im Kinderhaus:
Der Frühstückstisch ist bis 10 Uhr für die Kinder gedeckt. In dieser Zeit können die Kinder selbst entscheiden, wann und mit wem sie frühstücken. In der ersten Zeit werden sie von ihrer Bezugserzieherin begleitet. 
Die U3 Kinder essen in der Eingewöhnungszeit ausschließlich mit ihrer Bezugserzieherin. Das Mittagessen findet 12:00 Uhr statt. Nach dem Mittagessen putzen die Kinder ihre Zähne.
Kinder, die ein Schlaf- oder Ruhebedürfnis haben, können sich nach dem Mittagessen hinlegen. Es stehen Betten zur Verfügung.

10.3 Sauberkeitserziehung 
So wie jedes Kind zum Laufen lernen, Sprechen lernen usw. unterschiedlich viel Zeit braucht, so benötigt jedes Kind seine individuelle Zeitspanne, um sauber zu werden. Zu frühe Sauberkeitserziehung kann später zu massiven Problemen und Rückfällen führen. Das Kind braucht die nötige Reife. Dieser Prozess darf nicht abgekürzt werden, er kann aber unterstützt werden.

Zweijährige Kinder interessieren sich sehr für ihre Umwelt. Ihnen fällt natürlich auf, wenn die älteren Kinder auf die Toilette gehen. Ein natürlicher Umgang mit dem Thema erleichtert es dem Kind, selbst ein unverkrampftes Verhältnis zu seinen Ausscheidungen zu entwickeln. Wenn wir erkennen, dass das Kind Interesse hat auf die Toilette zu gehen, unterstützen wir das in Absprache mit den Eltern. Wichtig ist es, dass das Kind gleichzeitig zuhause und im Kinderhaus keine Windel mehr trägt. In dieser Zeit braucht das Kind mehr Hosen, Unterhosen etc. zum Wechseln. Hilfreich ist einfache Kleidung, die das Kind selbstständig an- und ausziehen kann. Je nach Kind dauert die Phase des „Trocken Werdens“ kürzer oder länger. Man darf seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und den Zeitraum nicht im Vorhinein festlegen. Da setzt man das Kind und sich selbst unnötig unter Druck.

10.4 Fachkräfte
Im Kinderhaus gibt es zwei Vollzeit Fachkräfte. Diese Fachkräfte sind die Bezugserzieher der U3 Kinder. Sie begleiten jedes Kind individuell während der Eingewöhnung und darüber hinaus. Diese Fachkräfte haben sich speziell mit dem Thema „U3“ auseinandergesetzt und entsprechende Fortbildungen besucht.

Kinderhaus Verfassung
 
Präambel
(1)  Im März 2015 trafen sich die pädagogischen Fachkräfte des Montessori-Kinderhauses Hofstraße zu einer Fortbildung zum Thema Partizipation. Die pädagogischen Fachkräfte diskutierten über die künftig geltenden Partizipationsrechte der Kinder und verständigten sich auf diese einvernehmlich.
(2)  Die Beteiligung der Kinder an allen sie betreffenden Entscheidungen wird damit als Grundrecht anerkannt. Die pädagogische Arbeit soll an diesem Grundrecht ausgerichtet werden.
(3)  Gleichzeitig ist die Beteiligung der Kinder eine Voraussetzung für gelingende Selbst-Bildungsprozesse und die Entwicklung demokratischen Denkens und Handelns.
 
 
§ 1 Tagesablauf
  1. Die Kinder haben das Recht, während der Freispielzeit ihren Tagesablauf selbst zu gestalten.
  2. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, 1. einmal am Tag einen Kreis einzuberufen, 2. zu entscheiden wann Einzelfördermaßnahmen stattfinden.
 
 
§ 2 Essen
2.1 Frühstück und Zwischenmahlzeit
  1. Die Kinder haben das Recht zu entscheiden, ob, was und wieviel sie beim Frühstück und der Zwischenmahlzeit essen.
  2. Die Kinder haben das Recht ihren Platz beim Frühstück und der Zwischenmahlzeit selbst auszuwählen.
  3. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, die Zeiten und Orte für Frühstück und Zwischenmahlzeit festzulegen.
  4. Die Kinder entscheiden selbst, wann sie innerhalb der festgelegten Zeit frühstücken.
 
2.2 Mittagessen
  1. Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden wieviel sie essen.
  2. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, den Kindern eine Probierportion auf den Teller zu geben.
  3. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, die Tischregeln zu bestimmen.
  4. Beim Projekt „Kochen“ entscheiden die Kinder was es an diesem Tag zum Mittagessen gibt.
2.3 Geburtstagsessen
  1. Jedes Kind entscheidet selbst welches Geburtstagsessen an seinem Geburtstag gekocht wird.
 
 
§ 3 Hygiene
  1. Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, ob und wann sie zur Toilette gehen.
  2. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, die Kinder daran zu erinnern.
  3. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, Kinder die in der Phase „Trocken werden“ sind, auf die Toilette zu schicken.
  4. Kinder, die Windeln tragen, haben das Recht, aus zwei vorher ausgewählten Mitarbeitern zu entscheiden, von wem sie gewickelt werden möchten.
  5. Die Kinder haben das Recht zu sagen, dass sie in diesem Moment nicht gewickelt werden möchten.
  6. Die Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, dieses Recht außer Kraft zu setzen, wenn die Gesundheit des Kindes gefährdet ist.
  7. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor zu bestimmen, dass die Kinder nach dem Toilettengang und vor den Mahlzeiten ihre Hände waschen müssen.
 
 
§ 4 Kleidung
  1. Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, welche Bekleidung sie in den Innenräumen und bei trockenem Wetter auf dem Außengelände tragen.
  2. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, dieses Recht einzuschränken, 1. für Kinder, die aufgrund ihrer Wahrnehmungsleistung nicht in der Lage sind, ihre Bedürfnisse einzuschätzen, 2. für Kinder, die gerade von einer Krankheit genesen sind.
  3. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor zu bestimmen, 1.wann und wo die Kinder barfuß laufen dürfen, 2. wann die Kinder Sonnenschutz tragen müssen.
  4. Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, ob sie bei feuchtem Wetter auf dem Außengelände Regenschutzkleidung tragen, wenn ausreichend Wechselkleidung vorhanden ist und mit ihnen Verhaltensregeln für diese Situation vereinbart wurden.
  5. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor, dieses Recht außer Kraft zu setzen, wenn die Gesundheit des Kindes gefährdet ist.
  6. Die pädagogischen Mitarbeiter behalten sich das Recht vor zu entscheiden, wann sich die Kinder nackt oder nur mit Unterwäsche bekleidet im Innen-und Außenbereich des Kinderhauses aufhalten dürfen.
  7. Die Kinder wählen einen Wetterdienst, der eine Empfehlung abgibt, was sie anziehen könnten, wenn sie nach draußen gehen.
 
 
 
§ 5 Feste und Projekte
  1. Die Kinder haben das Recht bei Festen bzw. Oma-Opa-Nachmittagen u. ä. mitzuentscheiden wie diese gestaltet werden. Dazu wird ein Arbeitskreis aus Kindern und pädagogischen Mitarbeitern in geheimer Wahl gewählt.
  2. Die Mitarbeiter behalten sich das Recht vor Vorschläge abzulehnen, wenn das Budget dafür nicht vorhanden und es organisatorisch nicht durchführbar ist.
  3. Die Kinder werden in Projekte, z.B. Anschaffung eines neuen Spielgerätes eingebunden.
 
 
§ 6 Beschwerden
  1. Die Kinder haben das Recht sich über andere Kinder, pädagogische Mitarbeiter und alles was sie betrifft, zu beschweren. Es gibt alle zwei Wochen eine Sprechstunde für die Kinder, die abwechselnd von den pädagogischen Mitarbeitern geleitet wird. Die Beschwerden der Kinder werden schriftlich fixiert und im nächsten Team besprochen. Das Kind bekommt eine Rückmeldung. Wenn es eine Beschwerde über ein anderes Kind ist, wird mit beiden Kindern gesprochen.